Entscheidung-Intuition

Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie intuitiv sind Sie? 0 bedeutet, dass Sie glauben, gar keine Intuition zu haben und sich nur auf „reine Fakten“ verlassen und 10, dass Sie meist aus Ihrem Bauchgefühl heraus leben und damit auch sehr zufrieden sind.

Haben Sie eine Zahl gewählt? War das intuitiv und spontan? Oder haben Sie überlegt, sind in sich gegangen, haben an bestimmte Situationen gedacht?

Und besonders spannend ist natürlich:
• Wann und in welchen Situationen nehmen Sie Ihre Intuition wahr?
• Wie nehmen Sie Ihre Intuition wahr? Haben Sie dazu ein körperliches Gefühl?
• Wann lassen Sie sich von Ihrer Intuition führen und wann nicht?
• Wann führen Sie andere intuitiv?

Täglich stehen wir vor vielfältigen Herausforderungen und kleinen wie großen Entscheidungen. Wie jeder einzelne damit umgeht, ist von Charakter zu Charakter unterschiedlich. Damit wir nicht jedes Mal Zeit und Energie in jede Entscheidung stecken müssen, haben sich Gewohnheiten etabliert. Beispielsweise, wenn wir beim Mittagessen immer das gleiche wählen oder gern dieselben Kriterien priorisieren, wie „Kostenbewusstsein hat Vorrang“. Haben wir solche Regeln für uns aufgestellt, handeln wir oft automatisch. Sind wir dann mit einer neuen Situation konfrontiert, gehen wir gern rational an die Dinge heran.  Informieren uns grundlegend, analysieren, wägen verschiedene Interessen ab, machen eine Vor- und Nachteilliste.

Oder aber wir entscheiden ab einem bestimmten Zeitpunkt intuitiv. Das kann schon sehr früh sein, ohne sich überhaupt mit Fakten oder Interessen anderer auseinanderzusetzen oder erst nachdem wir das Thema analysiert haben, aber die Lösung sich irgendwie noch nicht gut anfühlt. Manche nehmen dieses Gefühl wahr und entscheiden sich dann bewusst gegen die „vernünftigen Argumente“, andere verdrängen das Gefühl. Gerade aber dieses, manchmal recht vage Gefühl ist oft mit unserer Intuition verbunden. Nur trauen wir uns nicht immer, unserer inneren Stimme nachzugeben. Denn das bedeutet die Kontrolle aufzugeben. Und damit hat unser Verstand große Schwierigkeiten.

Hinzu kommt, dass wir bei unseren Mitmenschen gern auf Unverständnis stoßen, wenn wir unser Vorgehen nicht begründen können, sondern einfach damit argumentieren, dass wir „nur“ ein bestimmtes Gefühl haben. Fragt man jedoch erfolgreiche Unternehmer, so erhält man sehr oft die Antwort, dass die wichtigsten Entscheidungen immer aus „dem Bauch heraus“ getroffen wurden. 

Dazu Intuitionsforscher Professor Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung:

“Die Überbewertung von analytischen Fakten, das heißt, von Entscheidungen, die alleine auf nachvollziehbaren Gründen beruhen, führt dazu, dass viele Menschen sich immer mehr in einem Käfig von Angst und Befürchtung befinden. Intuition kann man nicht begründen. Das führt dazu, dass wir versuchen, Entscheidungen von außen absichern zu lassen, etwa durch Beratungsfirmen oder durch komplizierte Computerprogramme. Die Auswirkung dieser defensiven Haltung gegenüber der Intuition spürt die gesamte Gesellschaft: Riesige Kosten, viele Fehlentscheidungen und Aufschub der Probleme sind die Folgen.”

Die Konsequenz:

Wir müssen wieder lernen, unserer inneren Stimme, unserem Instinkt, unserem Bauchgefühl, unserer Ahnung, unserer Eingebung, unseren Gedankenblitzen, unseren richtigen Riechern, unserem 6. Sinn oder wie Sie Ihre intuitive Begabung nennen, zu vertrauen.

Intuition ist eine wichtige Basis für Kreativität, Visionen und Erfindungen. Mit Hilfe der Intuition können wir uns in der wachsenden Komplexität besser zurecht finden, uns zentrieren, Handlungsspielräume entdecken und Entscheidungen schneller und besser treffen. Aber Vorsicht: Die Kunst ist, Intuition als solche wahrzunehmen und von Wunschdenken, Bedürfnissen, Voreingenommenheit und Fantasien zu trennen. Denn wenn es tatsächlich keine echte Intuition ist, ist die Gefahr von Fehlentscheidungen gegeben.

Führen und Intuition

Intuition ist die Grundlage für Empathie und effektive Kommunikation. Wenn Sie je nach Situation und Mitarbeiter unterschiedlich entscheiden, wie Sie handeln, kommunizieren oder mit ihnen umgehen, wird wahrscheinlich sehr viel davon intuitiv gesteuert sein. Denn zu erspüren, was im jeweiligen Kontext gerade richtig ist, um gewinnbringend zu führen, ist eine sehr wertvolle Fähigkeit!

Begegnungen zwischen Menschen finden auf der Gefühlsebene statt, wo auch die Intuition eine große Rolle spielt. Sie können mit Ihrem Verstand erklären, was Sie beim anderen wahrnehmen oder warum eine Beziehung gut oder schlecht funktioniert. Aber Wahrnehmung und Beziehungsgestaltung finden erst in zweiter Linie auf der intellektuellen Ebene statt.

Die Herausforderung

Unser Verhalten ist stark von unbewussten und subjektiven Wahrnehmungen, erlernten Mustern und Gewohnheiten geprägt. Je weniger wir selbstreflektiert sind, desto schwieriger kann es sein, sich auf der intuitiven Ebene zu bewegen. Bei Führungskräften kann sich dies zeigen, indem sie bei ihren Mitarbeitern genau das Gegenheil von dem erreichen, was sie eigentlich wollen. Unzufriedenheit, mangelnde Leistungsfähigkeit und sogar Krankheiten können die Folgen sein.

Praxistipp: So trainieren Sie Ihre Intuition!

Momente der Stille einplanen und äußere Reize reduzieren

Ziehen Sie sich täglich einfach mal ein paar Minuten zurück, ohne Medien und Störungen, und machen Sie gar nichts. Auch, wenn das manchmal gar nicht so einfach auszuhalten ist, ist es notwendig, wenn wir unsere inneren Stimmen wahrnehmen und unterscheiden wollen. Nehmen Sie einfach wahr, was in Ihnen passiert: Gibt es körperliche Reaktionen? Gedanken? Gefühle? Meist kommen ja die besten Ideen, wenn man sich eine Auszeit gönnt und gar nicht an ein Problem oder eine Entscheidung denkt: beim Spazierengehen, unter der Dusche, im Schlaf bzw. beim Aufwachen …

Intuitive Wahrnehmung über Empathie üben

Lassen Sie sich für kurze Zeit mal auf andere Menschen ein, beobachten Sie sie und versuchen Sie wahrzunehmen, wie diese sich gerade fühlen oder welche Eigenschaften sie haben. Das können fremde Menschen an Bahnhöfen oder in Flugzeugen sein oder bekannte.

Körperwahrnehmungen vertrauen

Der Körper ist ein feines Instrument. Wenn etwas nicht stimmig ist, meldet er sich in irgendeiner Form. Versuchen Sie auch kleinste Impulse wahrzunehmen und spüren Sie hinein.

Verstand und Intuition

Natürlich können Sie diese beiden Fähigkeiten kombinieren. Beleuchten Sie Situationen, erarbeiten Sie Strategien, analysieren Sie Für und Wider – und dann spüren Sie noch mal hinein, ob dieser Weg stimmig ist. Haben Sie den Mut, auch die kleinen Widersprüche wahrzunehmen und gegebenenfalls Ihren Plan noch mal anzupassen oder eventuell sogar ganz über den Haufen zu werfen.

Spielen Sie im Alltag

Wenn Sie unterwegs sind, können Sie spielerisch üben: Stehen Sie an einem Bahnhof, fragen Sie sich, welche Person wohl als erstes aus dem Bus oder dem Zug aussteigen wird. Funktioniert auch gut, wenn Sie mit anderen Menschen vor einem Lift warten. Welche Person wird wohl als erste den Fahrstuhl betreten? Versuchen Sie Prognosen für Situationen zu treffen. Und prüfen Sie, wie Ihre Prognosen in Ihnen entstehen. Mit der Zeit werden Sie lernen, die inneren Stimmen zu unterscheiden. Besonders gut eignet sich auch Ihre Freizeit dafür, wenn Sie entspannter sind. Unter Stress ist es sehr schwierig, intuitiv zu sein.

Selbstreflexion

Reflektieren Sie am Ende des Tages: Welche Entscheidungen haben Sie heute weitgehend intuitiv getroffen? Wahrscheinlich sind das mehr, als Sie vermutet hätten. Welche davon empfanden Sie als gut, welche weniger. Welche waren richtig oder falsch? Versuchen Sie nachzuvollziehen, welches Gefühl Sie hatten, als Sie sich von Ihrer Intuition leiten ließen. Gab es eine körperliche Reaktion - wie ein Prickeln als Aufforderung oder eine Verspannung bzw. Verkrampfung als Warnung?

Was ist eigentlich Intuition?

Intuition ist eine unbewusste Form der Informationsverarbeitung. Intuition ist der schnelle Weg zu einer Antwort. Intuition hat mit dem Herzen und Gehirn zu tun. Intuitives Wissen setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen:

Implizites Wissen: Das sind Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben und meist im Unterbewusstsein gespeichert sind, vor allem, wenn wir uns auch gar nicht mehr an sie erinnern.

Sekündlich strömen rund 1.000.000.000 Bit an Informationen auf uns ein. Davon lassen wir aber nur rund 11.000.000 Bit in unser Gehirn. Und davon wiederum nehmen wir nur circa 20 – 60 Bit bewusst wahr.

Tatsächlich sind bestimmte Hirnregionen bereits aktiv und steuern uns, wenn wir noch gar nicht bewusst nachdenken. John-Dylan Haynes vom Bernstein Centre for Computational Neuroscience in Berlin hat herausgefunden, dass bestimmte Hirnregionen schon im Scanner aufleuchten, wenn man noch gar nicht gezielt über bestimmte Themen nachdenkt. So haben Testpersonen beispielsweise nicht einmal bemerkt, dass während einer Computeraufgabe im Hintergrund Fotos von verschiedenen Automodellen gezeigt wurden, die ihr Bewusstsein gar nicht erreichten. Trotzdem zeigten die entsprechenden Gehirnareale Aktivität.

Energetische Sensitivität: Das ist beispielsweise eine Atmosphäre, die wir spüren, wenn wir einen Raum betreten, in dem sich schon andere Menschen befinden. Oder wenn wir in ein Unternehmen kommen und gleich ein bestimmtes Gefühl dafür haben, welches Betriebsklima herrscht. Oder wenn wir bemerken, dass uns jemand anstarrt, obwohl wir mit dem Rücken zu demjenigen stehen.

Nicht-lokales Bewusstsein: Jetzt könnte es für Sie eventuell zu spirituell werden. Aber es gibt wissenschaftliche Forschungen, dass sich Informationen über ein bestimmtes Feld ausbreiten und wir in der Lage sind, diese Informationen aufzunehmen. Beispielsweise spüren Mütter, deren Söhne im Krieg sind, wenn ihnen etwas zugestoßen ist. Zwar weiß noch niemand so ganz genau, wie das funktioniert, aber es funktioniert. Der Biologe Rupert Sheldrake spricht von einem „morphischen Feld“, der Psychologe C. G. Jung nannte es „kollektives Unterbewusstsein“, Quantenphysiker sprechen vom Quantenfeld und in der indischen Theosophie findet man die Akasha-Chronik.

Gerade bei den letzten beiden Punkten spielt das Herz wohl eine wesentliche Rolle. So wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, dass das Herz bereits auf Bilder reagiert, die für das Auge erst einige Sekunden später sichtbar waren.

Auch, wenn eine absolut wissenschaftliche Erklärung noch nicht gefunden wurde, weiß man heute, dass unser Herz noch über andere Kommunikationsmöglichkeiten verfügt als wir bisher annahmen. Es ist also von Vorteil, wenn wir versuchen mehr in Kontakt mit unserem Herzen und unsere Intuition zu kommen!

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