Kennen Sie das Geheimnis der Schlagfertigkeit?

Souveräner mit Angriffen umgehen.

von GABRIELA WISCHEROPP

Würden Sie auch gern schlagfertiger sein? Immer die passende Antwort auf spitze Kommentare parat haben? Zugegeben, es fühlt sich schon sehr gut an, wenn man einen verbalen Angriff gekonnt abwehren kann. Aber muss es immer auf demselben Niveau sein? Schauen wir uns das doch mal genauer an:

Was bedeutet Schlagfertigkeit?

Eigentlich ist Schlagfertigkeit eine Kunst. Die spontane und geistreiche Erwiderung passt genau in die Situation und soll eine Grenze aufzeigen. Die Herausforderung ist, dass diese Bemerkung nicht unter die Gürtellinie geht. Die richtigen Worte sollen schwierige Situationen charmant entspannen oder ein treffendes Argument für die jeweilige Sache sein, für die wir uns einsetzen oder getan haben.

Schlagfertigkeit als Waffe

Doch in der Praxis sieht es meist anders aus. Oft fühlen wir uns durch eine Bemerkung angegriffen und würden gern eine passende Antwort geben, um uns zu wehren bzw. zu schützen. Unser Gegenüber soll in seine bzw. ihre Schranken verwiesen werden. Insbesondere dann, wenn diese Kommentare passiv aggressiv und übergriffig sind. Aber auch, wenn sie uns vielleicht an einer vermeintlichen Schwachstelle erwischen.

Gelingt uns das nicht, ärgern wir uns im Nachhinein. Denn meist fällt uns erst nach einiger Zeit eine schöne Retourkutsche ein. Dieser Blackout in der jeweiligen Situation hat meist etwas damit zu tun, dass wir uns verunsichert fühlen. Dann entsteht Stress und der wiederum blockiert bestimmte Gehirnfunktionen.

Haben wir es doch geschafft, eine Antwort zu geben, mit der wir zufrieden sind, können solche Situationen eine Eigendynamik entfalten. Es folgt ein Schlagabtausch, der unsachlich und persönlich sein kann.

Schlagfertigkeit trainieren

Wer will, kann eines der vielen Schlagfertigkeitstrainings buchen, die vielerorts angeboten werden oder einschlägige Bücher studieren. Oft gibt es dort Tipps wie “Absurde Gegenargumente” finden. Beispielsweise auf die Aussage “Ihr Vortrag war sehr oberflächlich.”, wäre hier eine mögliche Antwort “Dann kann ich wenigstens nicht untergehen.” Eine Alternative wäre, zum Angriff überzugehen, etwa mit dem Satz “Mehr Verstand habe ich Ihnen auch nicht zugetraut.”

Eine weitere Idee, die oft zu lesen ist, ist sich bereits im Vorfeld Zitate für alle möglichen Situationen zurecht zu legen.

Aber ist das wirklich die Lösung? Was wollen wir denn damit erreichen? Den anderen klein und uns größer machen? Demonstrieren, dass wir über den Dingen stehen? Letztlich zeigen solche Bemerkungen eher mangelnde Souveränität.

Schlagfertigkeit vs. Selbstsicherheit?

Mit einer schlagfertigen Aussage wollen wir den anderen abwehren, uns also selbst schützen. Denn wir fühlen uns durch die Bemerkung angegriffen, überrumpelt, verunsichert und vielleicht auch bloßgestellt. Mit einer entsprechenden Spitze wollen wir selbst einen Schlag landen.

Wer jedoch ein gewisses Maß an innerer Gelassenheit und ein gesundes Selbstwertgefühl hat, braucht sich hier gar keinen Stress machen. Haben Sie diese Gelassenheit und Souveränität noch nicht, tun Sie so als ob!

Ein paar Tipps:

• Halten Sie Blickkontakt. Wenn Sie Ihr Gegenüber anschauen, signalisieren Sie Sicherheit. Oft reicht dies. Sie brauchen gar nichts mehr zu sagen.

• Nutzen Sie Ihre Stimme. Sprechen Sie langsam. Das erzeugt Ruhe, die wiederum gelassen wirkt. Achten Sie nur darauf, dass Sie nicht auffallend langsam reden, sonst wirkt es überheblich oder aggressiv und eben nicht souverän.

• Regulieren Sie Ihre Emotionen und reagieren Sie nicht gleich impulsiv. Nehmen Sie Ihre Gefühle ruhig wahr, auch, wenn die gerade Achterbahn fahren. Warten sie trotzdem erst mal mit einer Reaktion und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Nehmen Sie bewusst einige tiefe Atemzüge.

• Stellen Sie Ihrem Gegenüber eine Frage. Bitten Sie ihn, seine/ihre Aussage zu konkretisieren. Übernehmen Sie durch fragen die Führung des Gespräches.

Keine Regel ohne Ausnahme

Wenn der Schlagabtausch auf einem witzigen Niveau stattfindet, kann es kurzzeitig ganz amüsant sein, weil die Freude an der spontanen Kreativität und verbalen Spielerei überwiegt. Allerdings besteht die Gefahr, dass es schnell kippt, weil jeder dann das letzte Wort haben möchte und noch einen ‚drauf setzt. Deshalb ist das Gefühl für den richtigen Moment wichtig, wann ausgestiegen werden sollte.

Nutzen Sie Schlagfertigkeit als rhetorische Kunstform, um eine eventuell kritische Situation zu entschärfen. Damit setzten Sie Grenzen, die deeskalierend wirken. Allerdings ist hier die Fähigkeit zur Schlagfertigkeit erst wieder in zweiter Linie wichtig. Zuvor braucht es die Souveränität und emotionale Selbstregulierung, damit Ihrem Gehirn was Passendes einfällt.

Schlagfertigkeit in den Medien

Bewundern Sie im Fernsehen auch Experten in Gesprächsrunden, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen? Ihre Diskussionsfertigkeit zeichnet sich durch klare Antworten, innere Überzeugung und Sicherheit sowie durch klug gestellte Fragen aus. Sie übernehmen immer wieder das Gespräch und bestimmen die Richtung.

Ein paar Beispiele von schlagfertigen Promis gefällig? – Gern! Wie wäre es mit Thomas Gottschalk, Günter Jauch, Monika Gruber, Jan Köppen oder Barbara Schöneberger? Was ihnen alle zu eigen ist? Sie fühlen sich wohl mit dem, was sie tun und stehen zu sich selbst. Aus der damit gewonnenen Souveränität entspringen dann in (fast) jeder Situation die passenden Antworten. Nur wenn Überheblichkeit ins Spiel kommt, kann eine Situation kurz entgleisen. 

In welchen Situationen sind Sie besonders schlagfertig? 

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