Sich selbst wahrnehmen, die eigenen Gefühle erkennen und deuten spielt eine wichtige Rolle: in der Führung, in der Kommunikation und für die mentale wie körperliche Gesundheit. Klar, werden Sie sagen, ich kenne mich doch! Was soll ich da noch wahrnehmen? Sie werden staunen:

Den meisten Teil des Tages sind wir mit unserer Aufmerksamkeit im Außen. Wir arbeiten an Projekten, reden mit Kollegen, beantworten E-Mails, organisieren unser Privatleben. Mit all dem verknüpft sind Emotionen, die unsere Leistungsfähigkeit und unsere Gesundheit beeinflussen. Haben wir im Innern ein ungutes Gefühl, das wir jedes Mal erfolgreich verdrängen, können wir uns selbst schaden. Vielleicht kennen Sie sogar eine Extremvariante davon: Sie geraten immer wieder in ähnliche Situationen und wissen nicht warum: Sie geraten immer wieder in ähnliche Situationen und wissen nicht warum. Treffen ständig Menschen, die Sie nerven. Stehen regelmäßig vor den gleichen Problemen: zu wenig Zeit, zu wenig Budget, unzuverlässige Mitarbeiter, jemand schnappt Ihnen einen Job vor der Nase weg, Sie sind der ewige Zweite …

Die Ursache liegt oft in unserem Unterbewusstsein. Es sorgt dafür, dass wir immer wieder in ähnliche Situationen geraten, die uns einerseits an unsere Grenzen bringen, andererseits aber unser Wachstum fördern. Eigentlich eine tolle Sache! 

Innen statt Außen

Bei der Selbstwahrnehmung geht es darum, unsere Aufmerksamkeit nach innen zu verlagern. Zu uns selbst. Zu spüren, was die vielen Reize im Außen in uns verursachen. Rechtzeitig zu erkennen, was in uns vorgeht, um uns selbst bewusst zu managen. Unsere Gefühle zeigen uns, wenn wir uns nicht wohl fühlen, uns etwas gegen den Strich geht oder auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gerade unangenehme Emotionen drängen wir aber nur allzu gern weg und suchen so schnell wie möglich nach Ablenkung. Doch sie sind ein wunderbarer Gradmesser, der uns zeigt, was nicht stimmt und was wir stattdessen brauchen. Wir müssen nur den Mut haben, sie anzuschauen, ohne uns von ihnen „einschüchtern“ zu lassen.

Die Herausforderung annehmen

Dabei ist es gar nicht so einfach, immer ehrlich zu sich selbst zu sein. Manchmal wollen wir anders sein als wir eigentlich sind. Wir wollen gerade nicht ängstlich oder nervös sein, weil das nicht zu unserem Selbstbild passt. Weil es unangenehm ist. Weil unser Körper darauf reagiert und wir uns nicht gut fühlen. Wir wollen keine Versagens- oder Existenzängste haben, und schon gar nicht, dass jemand anders sie bemerkt.

Selbstwahrnehmung erfordert Mut. Mut, der sich auszahlt. Dauerhaft verdrängte Emotionen verursachen innere Unruhe, Schlafstörungen, Burnout, Unzufriedenheit, das Gefühl der Fremdbestimmung, Demotivation, Depression, Bluthochdruck oder anderes.

Und: Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass wir ein Verhältnis von 3:1 brauchen, um emotional aufzublühen. Das heißt, auf Dauer brauchen wir drei angenehme Gefühle für ein unangenehmes, um uns wohl und stabil zu fühlen. 

Daher: Stellen wir uns unseren Gefühlen und gehen wir achtsam mit ihnen um, dann haben wir mehr Kontrolle über uns und unser Leben!

Praxistipps: Das können Sie für sich tun, um Ihre Selbstwahrnehmung zu schärfen!

1. Machen Sie Termine mit sich selbst

Nehmen Sie sich mindestens ein Mal am Tag eine oder mehrere Minuten Zeit für sich! Konzentrieren Sie sich erst mal nur auf Ihren Atem. Dann nehmen Sie wahr, was im Moment in Ihnen passiert. Gefühle, Gedanken, körperliche Reaktionen. Nehmen Sie erst mal nur wahr. Versuchen Sie, nicht zu bewerten und bei unangenehmen Wahrnehmungen sofort aufzuhören, sondern noch einige Sekunden oder gar Minuten länger durchzuhalten und wertfrei zu beobachten, was gerade in Ihnen geschieht. Diese Technik hilft Ihnen, wieder mehr in Kontakt mit sich und Ihren Körper zu kommen.

2. Ihr EQ-Tagebuch

Oft merken wir gar nicht, was wir im Moment fühlen oder wir können das Gefühl nicht benennen. Das muss gelernt und geübt werden, wie eine fremde Sprache. Nehmen Sie sich am Abend Zeit, Ihren Tag noch einmal zu reflektieren. Wenn Sie wollen, schreiben Sie Ihre Gedanken auf. Welche Gefühle hatten Sie im Laufe der letzten Stunden? Umschreiben Sie, wenn Sie kein passendes Wort dafür haben. Wann fühlten Sie sich einfach unwohl, wann ging es Ihnen gut? Welche Menschen waren dabei?

Beispiele für unangenehme Emotionen:

Beispiele für angenehme Emotionen:

aggressiv angespannt blockiert
depressiv beunruhigt deprimiert
ängstlich beleidigt eifersüchtig
durcheinander empört frustriert
enttäuscht ausgelaugt erschöpft
gereizt nervös gelangweilt
misstrauisch streitlustig traurig
ärgerlich leer ungeduldig
betroffen beschämt ernüchtert
feindselig lustlos mürrisch
neugierig optimistisch friedvoll
gelassen stolz leicht
fröhlich ausgeglichen engagiert
motiviert dankbar mitfühlend
zuversichtlich unbeschwert fasziniert
geduldig tatkräftig selbstsicher
lebendig inspiriert zufrieden
geborgen sicher energiegeladen
abenteuerlustig mutig entschlossen
erfüllt verliebt geliebt

Selbstwahrnehmung ist ein erster wichtiger Schritt in der Emotionalen Intelligenz.

3. Holen Sie sich Feedback

Wenn Sie Ihre Komfortzone noch mehr erweitern wollen, lassen Sie sich Feedback von anderen Menschen geben, wie sie Sie erleben – allgemein oder in bestimmten Situationen. Lassen Sie die Rückmeldungen einfach wirken. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Argumentieren, verteidigen oder erklären Sie sich zunächst nicht. Das kann manchmal ganz schön schwer sein. Aber: Die Wahrnehmungen der anderen sind immer da, nur meist nicht ausgesprochen. Liegen diese erst mal offen auf dem Tisch, bieten sie Chancen zum Wachstum. Wenn Selbst- und Fremdwahrnehmung unterschiedlich sind: Denken Sie daran, dass Sie - und nur Sie - entscheiden, was Sie von dem Gesagten annehmen, wie es Ihnen damit geht und ob Sie daraus Konsequenzen für sich ziehen. Sehen Sie es als spannendes Abenteuer an.

Wozu das alles?

Emotionen haben immer einen Grund. So kann beispielsweise Eifersucht oder Neid, ob im Job oder privat, ein Indiz dafür sein, dass wir nach Anerkennung, Sicherheit oder Wertschätzung streben. Ärger kann bedeuten, dass wir ernst genommen werden und uns selbst verwirklichen wollen, daran aber gerade gehindert werden. Oder dass wir unsere Werte nicht leben können. Letztlich steckt immer ein Bedürfnis dahinter.

Beispiele Bedürfnisse:

Anerkennung Aufmerksamkeit Autonomie Bestätigung Beständigkeit
Freiheit Freude Frieden Geborgenheit Gemeinsamkeit
Harmonie Hilfe Entfaltung Entspannung Entwicklung
Kontakt Lernen Liebe Genauigkeit Bewegung
Respekt Schutz Flexibilität Alleinsein Selbstwertgefühl
Privatsphäre Pünktlichkeit Ruhe Schönheit Selbstbestimmung
Wertschätzung Wissen Würde Zugehörigkeit Menschlichkeit
Sinn Unabhängigkeit Unterstützung Treue Transparenz
Gerechtigkeit Klarheit Selbstverantwortung Toleranz Sicherheit
Abenteuer Beständigkeit Ordnung Verständnis Wachstum

Ignorieren wir unsere Emotionen und damit auch unsere Bedürfnisse dauerhaft, können sich folgende Symptome zeigen:

  • Gefühl von Sinn- und Hoffnungslosigkeit
  • Stetig wachsende Belastung durch Stress
  • Motivationsmangel
  • Ohnmachtsgefühl
  • Wachsende Unzufriedenheit
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Sorge, Anforderungen oder Erwartungen nicht gerecht zu werden.
  • Anhaltende Negativität in den Gedanken
  • Körperliche Beschwerden

Auf unsere Gefühle und Emotionen zu achten ist gesund! Wir sollten uns klar darüber werden, was wir eigentlich wollen. Dann können wir uns auch darum kümmern, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden.

Was wir davon haben? Freiheit, Macht über unser Leben und Zufriedenheit. Wenn wir Verantwortung für uns selbst übernehmen, arbeiten und kommunizieren wir besser.

Und noch etwas …

Die hohe Kunst der Selbstwahrnehmung liegt nicht nur darin, unsere Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen, sondern sie auch wertneutral zu akzeptieren. Nicht gleich zu urteilen, ob sie gut oder schlecht sind oder sie schnell wieder zu unterdrücken. Sich nicht gleich zu einer Reaktion hinreißen lassen, die "Porzellan zerschlägt". Sondern sich selbst so anzunehmen wie Sie in dem Moment gerade da sind und sich tief in Ihrem Inneren selbst wertzuschätzen. Das kann eine ganz schöne Herausforderung darstellen. Aber denken Sie daran: Sie gehen gesünder mit sich um, wenn Sie Ihren inneren Kritiker erst einmal in seine Schranken weisen.

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