Die Antwort ist zwar ganz einfach – doch die Umsetzung stellt oft eine Herausforderung dar: Wer gesund führt, schafft im Team und im Unternehmen eine Kultur des Wohlfühlens. Denn dann steigen nachweislich Produktivität, Motivation und Gesundheit.

Eigentlich klar, oder? Doch wie geht das, eine Kultur des Wohlfühlens zu schaffen? Ein Unternehmen ist ja kein Ponyhof. Natürlich geht es nicht darum, Ihre Mitarbeiter „auf Händen zu tragen“ oder ihnen jeden Wunsch zu erfüllen, sondern wichtig ist es, darauf zu achten, dass die menschlichen Grundbedürfnisse erfüllt werden.

Vor allem die Bedürfnisse nach

  • Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung
  • Zugehörigkeit, Wir-Gefühl, Identifikation
  • Information (durch effektive Kommunikation)
  • Sicherheit durch eine klare und transparente Führung
  • Kontrolle (über das eigene Tun)
  • Selbstverwirklichung (durch Potenzialentfaltung)

Nicht wenig. Aber: Ob im Privat- oder Berufsleben – wenn diese Basisbedürfnisse gestillt werden, werden Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefördert. Natürlich ist das im beruflichen Alltag nicht immer ganz so einfach und für Führungskräfte oft mit einer Mehrfachbelastung verbunden. Denn sowohl Teams kooperativ zu führen und einzelne Mitarbeiter individuell zu fördern als auch Sorge dafür zu tragen, dass die Unternehmensziele erreicht und der nächsten Vorgesetztenebene, den Gesellschaftern oder Vorstandsmitgliedern Bericht erstattet wird, ist nicht immer einfach. Wenn dann so manche Führungskraft auch noch selbst als Fachkraft in den Ring steigt und sich mit fachspezifischen Themen auseinander setzt, ist die Überlastung letztlich vorprogrammiert. Die tägliche Reizüberflutung tut ihr Übriges dazu. Der Stress steigt, während Kommunikationsfähigkeit und Empathie sinken ebenso wie Lösungsorientierung und Kreativität. Dann fällt es oft schwer, angemessen oder sogar wertschätzend zu kommunizieren und Mitarbeiter ihren Charakteren entsprechend zu führen. Trotzdem führt kein Weg daran vorbei: Wer gesund führen will, übernimmt zusätzlich zu den Sachaufgaben auch die Verantwortung ein gutes Betriebsklima zu schaffen und sich um das psychische Wohlbefinden seiner Mitarbeiter zu kümmern.

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es einer mentalen und körperlichen Stärke! Und das gelingt auf Dauer nur, wenn es auch gelingt, mit sich selbst wohlwollend und achtsam umzugehen. Gesund führen kann nur, wer sich auch selbst gesund führen kann!

Was hat das nun mit Gesundheit zu tun?

Quasi alles! Denn Bedürfnisse und Emotionen sind untrennbar miteinander verbunden und wirken sich direkt auf körperliche und mentale Prozesse aus. Die Neurowissenschaft weiß heute, dass Emotionen chemische Reaktionen im Körper auslösen, mit dem Nervensystem und den Herz- sowie Gehirnaktivitäten verbunden sind. Ebenso wie mit unserem Nerven- und Immunsystem. Emotionen motivieren oder blockieren, fördern oder schwächen Gesundheit. 

Jedes Ereignis, jeder menschliche Kontakt verursacht emotionale Reaktionen. Auch, wenn wir diese nicht bewusst wahrnehmen. Zuständig dafür ist unter anderem das Emotionssystem in unserem Gehirn, das es uns ermöglicht, Situationen schnell zu bewerten und in Bruchteilen von Sekunden zu reagieren, ohne dass wir darüber nachdenken müssen.

Studien zeigen, dass insbesondere die Führungskompetenz in Unternehmen eine zentrale Rolle bei der psychischen Gesundheit und der Produktivität spielt. So schließt sich der Kreis. Emotionale Kompetenz ist also ein Schlüsselfaktor in der gesunden Führung.

Emotionen – ausgerechnet! Dabei rationalisieren wir doch so gern. Und das hat durchaus einen guten Grund. Fürchten wir doch, Gefühlen ausgeliefert zu sein. Nicht die Kontrolle und bewusste Steuerung über diese zu haben. Oder nicht zu wissen, wie man mit ihnen umgehen soll. Genau das macht Menschen instinktiv Angst. Denn wir Menschen streben gern danach, Kontrolle zu haben. Das sichert unser Überleben. Glauben wir zumindest. Aber: Geht dieses Verlangen nach Kontrolle mit ständiger emotionaler Verdrängung einher, können wir uns selbst schaden und denjenigen, für die wir Verantwortung tragen. Das Unterbewusstsein weiß alles, es steuert schließlich rund 95 % unseres Lebens. Hier haben wir unsere Routinen, Überzeugungen, Glaubenssätze, Werte, Denkmuster, Programme und Blockaden geparkt. Wollen wir aber aktiv und bewusst unser Leben steuern, erfolgreich Mitarbeiter führen und Kommunikation effektiv gestalten, bedeutet dies auch eine aktive und bewusste Emotionsregulation als weitere Kompetenz zu erwerben. So erweitern wir auch unsere Fähigkeiten, Kontrolle auszuüben. 

Praxistipp: So führen Sie sich und andere gesund!

Innen statt Außen: Selbstwahrnehmung

Wenn Sie sich beispielsweise über einen Mitarbeiter ärgern, bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit erst mal bei sich. Welche Emotionen haben Sie gerade? Was ist Ihr Ziel? Wie können Sie sicherstellen, Ihr Ziel zu erreichen? Welche Reaktion wäre die bestmögliche, die auch den Anderen wohlwollend mit einbezieht?

Nehmen Sie sich Zeit

Sie müssen nicht immer sofort reagieren. Erlauben Sie sich, inne zu halten. Egal, ob Sie gerade eine spontane Herausforderung zu meistern haben oder eventuell eine Krisenzeit, die das gesamte Unternehmen betrifft. In welcher Phase Sie sich gerade befinden, generell gilt, sich in Ruhe den Ist-Zustand anzuschauen. Wie ist die Atmosphäre im Team? Können Sie kollektive Emotionen wahrnehmen? Welchen Ziel-Zustand hätten Sie gern? Wie können Sie diesen sinnvoll und realistisch erreichen? Geben Sie sich selbst Raum zwischen einem Reiz, einem Problem oder einer Herausforderung und Ihrer Reaktion. 

Zugehörigkeit, Wir-Gefühl, Identifikation

Schaffen Sie die Möglichkeit, dass Ihre Mitarbeiter und Sie sich auch auf einer persönlichen Ebene kennenlernen. In eine Gemeinschaft eingebunden zu sein, in der wir uns wohl fühlen, stärkt unser Immunsystem.

Wichtig ist auch, gemeinsame Werte und Ziele zu haben. Prüfen Sie, welche Werte in Ihrem Team, in Ihrem Unternehmen gelebt oder nicht gelebt werden. Welche stehen mit dem Werten des Unternehmens im Einklang? Sollten Sie eventuell noch mal aktiv daran arbeiten, eine gemeinsame Werte- und Zieleebene zu haben?

Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung

Stärken Sie Ihre empathischen Fähigkeiten und zeigen Sie gleichzeitig Wertschätzung für Ihre Mitarbeiter: Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Aufmerksamkeit. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sie. Hören Sie aktiv zu. Wenn Sie mit einem Mitarbeiter, seiner Haltung oder Meinung nicht klar kommen, betrachten Sie es als Herausforderung, auch hier Win-Win-Situationen zu schaffen. Senden Sie wertschätzende, nonverbale Signale: Schauen Sie dem Anderen bei der Begrüßung und in Gesprächen in die Augen. Natürlich mit der Absicht in echten Kontakt zu kommen und nicht zu dominieren. Sie können auch wohlwollend mit dem Kopf nicken, lächeln oder anerkennend schauen.

Respekt, Akzeptanz und Menschlichkeit zeigen: Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter immer ernst. Auch, wenn das Problem, die Meinung, Haltung oder der Wert nicht Ihrer Persönlichkeit entspricht. 

Geben Sie Rückmeldungen: Sie sollten konstruktive Kritik ebenso äußern wie lobende Worte finden. 

Information und Kommunikation

Fördern Sie eine aktive Kommunikationskultur: Funktioniert der Informationsfluss? Wo könnte er noch wie optimiert werden? Bekommen die Mitarbeiter vielleicht gar nicht zu wenig, sondern zu viele Informationen, sodass Zuständigkeitskonflikte und Reizüberflutung entstehen? Welche Qualität hat die bereichsübergreifende Kommunikation?

Sicherheit durch eine klare und transparente Führung

Einen sicheren Arbeitsplatz kann heute kaum noch jemand garantieren. Sicherheit in Bezug auf die Führungskultur hingegen, ist ein wichtiger Faktor. Seien Sie daher klar und transparent in Ihren Worten, Handlungen und in Ihrer Haltung: Legen Sie Wert darauf, dass Ihre Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzte nachvollziehen können, warum Sie Entscheidungen treffen, welche Erwartungen Sie haben und was Ihre Ziele sind. So fördern Sie die Zusammenarbeit. 

Konfliktmanagement: Sprechen Sie Konflikte offen an und klären Sie diese, ohne Schuldzuweisungen zu machen. 

Fehlerkultur: Haben Sie den Mut, unvollkommen zu sein und dies auch zu zeigen. Gestehen Sie auch Ihren Mitarbeitern zu, Fehler zu machen und gehen Sie lösungsorientiert an Probleme heran. 

Kontrolle (über das eigene Tun)

Ihre Mitarbeiter brauchen Freiräume und Handlungskompetenzen, um ihre Arbeit eigenverantwortlich zu gestalten. Der Umfang ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit. Während dem einen geringe Spielräume reichen, brauchen andere deutlich mehr Freiheit.

Selbstverwirklichung (durch Potenzialentfaltung)

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf die Stärken Ihrer Mitarbeiter und fördern Sie diese. Das ist oft effektiver und ressourcenorientierter als ein Können einzufordern, das nicht vorhanden ist und so Widerstand zu erzeugen. Unterstützen Sie aber, wenn Ihre Mitarbeiter ihre Fähigkeiten erweitern wollen.

Denken Sie immer daran: Emotionen, Körperreaktionen und Gesundheit hängen eng zusammen. Hören Sie auf Ihren Körper. Er ist ein feines Instrument. Wenn etwas nicht stimmig ist, meldet er sich in irgendeiner Form. Versuchen Sie auch kleinste Impulse wahrzunehmen, spüren Sie hinein, nehmen Sie die dazugehörige Emotion wahr und nutzen Sie Ihren Verstand, um gewinnbringend zu handeln.

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