Empathie als Baustein Emotionaler Intelligenz

Beziehungsmanagement gewinnbringend gestalten.

von GABRIELA WISCHEROPP

Je offener wir für unsere eigenen Gefühle sind, desto besser können wir die Gefühle anderer akzeptieren und deuten.

Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Sie hilft, Wertschätzung zu empfinden, Konflikte zu lösen oder ihnen vorzubeugen und kundenorientiert zu handeln. Es ist ein Haltung, die darauf basiert, wirklich ein ernsthaftes Interesse am Erleben eines anderen Menschen zu haben. So lässt sich ein konstruktives Miteinander leben und Brücken bauen, wenn zwei Meinungen aufeinanderprallen. Es ist eine wichtige Fähigkeit für eine respektvolle Gesellschaft, ein wertschätzendes Betriebsklima und harmonische Beziehungen. Empathie ist ein wichtiger Teil der Emotionalen Intelligenz.

Dabei lassen sich drei Arten von Empathie unterscheiden:

• Die Gedanken-Empathie: Was denkt der andere gerade?
• Die Gefühls-Empathie: Was fühlt der andere?
• Die Wahrnehmungs-Empathie: Wie nimmt der andere seine Umgebung, ja die ganze Welt wahr?

Grenzen ziehen

Wenn Sie sich auf Ihr Gegenüber einlassen, stellen Sie Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse für einen Moment zurück. Das heißt nicht, dass der andere wichtiger ist als Sie. Es geht nur darum, ein gewisses Verständnis für die Welt des anderen zu bekommen.

Haben Sie dieses Verständnis für den anderen, bedeutet dies aber noch lange nicht, dass Sie auch einverstanden mit dessen Ansichten, Meinungen und Werten sein müssen. Viele Menschen setzen dies gleich und können daher Ihre Empathie nicht wirklich entwickeln. Sie sind bewusst oder unbewusst der Meinung, dass es nur „Schwarz oder Weiß“ gibt. Entweder der andere hat Recht oder ich. Empathie zu haben, bedeutet jedoch, verschiedene Wahrnehmungen und Ansichten gleichrangig nebeneinander stehen zu lassen. Je nach Situation entscheiden Sie dann anschließend, wie Sie mit diesem Wissen umgehen: Wie weit gehen Sie auf den anderen ein? Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Meinung ohne Zugeständnisse durchzusetzen? Können und wollen Sie Kompromisse machen?

Einfühlungsvermögen zu haben, bedeutet auch nicht, dass wir mit dem anderen mitleiden, sondern dass wir klare Grenzen zwischen unseren eigenen Gefühlen und denen des anderen ziehen können. Das kann besonders schwer in engen oder hierarchischen Beziehungen werden. Beispielsweise unter Kollegen, die sich gut verstehen oder zwischen Vorgesetzte und Mitarbeiter. Nur zu gern möchte man, dass der andere ähnlich fühlt und denkt. Da kann es schon mal vorkommen, dass man sich gegenseitig beeinflussen will und auf den anderen einredet. Oder man wird von der schlechten Stimmung des anderen angesteckt. Oder es kommt zu einem Konflikt, weil wir das Denken und Fühlen des Gegenübers unbedingt in unserem Sinne verändern wollen.

Toleranz und Verständnis kann Situationen und Beziehungen entschärfen. Das bedarf manchmal einer innerlichen Größe und der Fähigkeit, unangenehme Situationen erst mal auszuhalten. Gerade, wenn wir mit den Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen des anderen nicht einverstanden sind, sie unseren eigenen Erleben und unseren Werten widersprechen. Doch die Mühe lohnt sich. Mittel- bis langfristig entsteht so eine bessere Zusammenarbeit, größere Wertschätzung und produktivere Kooperationen.

Übrigens: Empathie zeigt sich auch im Gehirn

Wenn Sie empathisch sind, sind bestimmte Bereiche Ihres Gehirns aktiv. Im sogenannten präfrontalen Cortex befinden sich die Spiegelneuronen. Sogar wenn Sie beispielsweise einfach nur jemanden beobachten wie er oder sie etwas tut, weisen Ihre Spiegelneuronen und die des Beobachteten dasselbe Aktivitätsmuster auf. Interessanterweise funktioniert das auch, wenn Sie sich nur vorstellen, was jemand anders gerade tut, was er denkt oder wahrnimmt. Das Gehirn unterscheidet nämlich nicht zwischen Realität und Vorstellung. So können auch Emotionen ausgelöst und nachempfunden werden.

Das können wir bewusst nutzen! Denn wohin Sie ihre Aufmerksamkeit lenken, wird Sie beeinflussen. Wollen Sie etwas Neues lernen, beobachten Sie Menschen, die diese Eigenschaft bereits haben und Ihr Gehirn lernt. Achten Sie daher auch auf geistige Hygiene. Das heißt, welche Medien konsumieren Sie? Mit welchen Menschen umgeben Sie sich? Welche Gedanken lassen Sie zu? All das hat Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Spiegelneuronen. Und damit auch auf Ihr Verhalten, Ihr Denken und Ihre Emotionen. Denn auch das ist Emotionale Intelligenz.

Praxistipps Emotionale Intelligenz: So erweitern Sie Ihre empathischen Fähigkeiten.

  • Schenken Sie Ihrem Gegenüber Ihre volle Aufmerksamkeit. Nehmen Sie sich Zeit, beobachten Sie und hören Sie aufrichtig zu.

  • Seien Sie neugierig und bringen Sie dem anderen ehrliches Interesse entgegen. Auch, wenn dessen Erleben, Einstellungen und Werte völlig anders als Ihre sind. Es kann sehr spannend sein, „fremde Welten“ zu entdecken.

  • Aktives Zuhören: Geben Sie mit Ihren eigenen Worten das Gehörte und Erfahrene wieder. Holen Sie sich Feedback ein und fragen Sie Ihr Gegenüber, ob er oder sie den Eindruck hatte „verstanden worden zu sein“.

  • Wenn Sie „eine besonders harte Nuss knacken“ wollen und sich ein wenig Zeit nehmen, können Sie sich einen bestimmten Menschen vorstellen mit dem Sie vielleicht sogar besonders große Schwierigkeiten haben und sich bewusst mit diesem auseinandersetzen. Versuchen Sie ihn oder sie so vollständig wie möglich zu begreifen:
    • Wie fühlt sich der Mensch im Kollegenkreis, beruflich, privat?
    • Ist er oder sie mit seiner/ihrer Arbeit zufrieden? Macht er oder sie es gern? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
    • Wie würden Sie auf einer Skala von 0 bis 10 dessen Motivation einschätzen?
    • Welche Gründe könnte es für diese Einschätzung geben?
    • Welche Charaktereigenschaften hat diese Person?
    • Welche Sorgen, Ängste, Probleme hat diese Person?
    • Welche Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte hat diese Person?
    • Welche Werte hat diese Person?

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