Emotionale Intelligenz: Ihr Körper zeigt Ihnen den Weg!

Stress reduzieren, Resilienz aufbauen: Emotionen wirken direkt auf Ihren Körper.

von GABRIELA WISCHEROPP

Spätestens seit der Industrialisierung betrachten wir Menschen uns gern als perfekte Denkmaschinen. Gefühle oder Emotionen werden meist als lästiges Überbleibsel aus der Steinzeit angesehen und nur in positiven Situationen oder im Entertainment geduldet. Denn was wäre beispielsweise ein Fußballspiel oder ein Film ohne Emotionen? 

Warum glauben wir, der Verstand zähle mehr als Emotionen. Weil er kontrollierbarer scheint! Denn wir Menschen haben gern alles unter Kontrolle. Emotionen aber sind nicht steuerbar, scheinen gar ein Eigenleben zu haben und werden zudem oft unbewusst verarbeitet. Und das hat einen guten Grund, den die Natur extra so eingerichtet hat. Wir sollen nämlich mit unseren Ressourcen ökonomisch umgehen. Und würden es gar nicht schaffen, die Fülle an Wahrnehmungen, die sekündlich unser Gehirn erreicht, komplett bewusst zu verarbeiten.  

Emotionen sichern unser Überleben!

Damit wir überleben richtete es die Natur so ein, dass wir mit Hilfe unserer Emotionen außerordentlich schnell reagieren können. In Bruchteilen von Sekunden nehmen unser Gehirn und unser Herz Informationen wahr, verarbeiten diese und lösen Aktionen aus. Und das schneller als wir denken können. Zwei Beispiele:

  • Wenn Sie über die Straße gehen und es kommt ein Auto angerast, springen Sie auf den Bürgersteig. Da bleibt keine Zeit mehr, die Situation rational zu erfassen und darüber nachzudenken, ob es besser ist, vor oder zurück zu laufen.

  • Sportliche Höchstleistungen gelingen in der Regel nur, wenn sich ein entsprechender emotionaler Zustand einstellt. Profiläufer sprinten bereits Millisekunden nach dem Startschuss los. Bewusst ist der Knall aber erst hörbar, wenn sie schon unterwegs sind.


Die Neurowissenschaft weiß heute, dass Sensoren im Gehirn ständig nach emotionalen Botschaften aus der Umwelt spähen. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass wir den Gefühlswert eines Wortes bereits 200 Millisekunden nachdem es gefallen ist, erfassen – lange bevor wir dessen Bedeutung verstandesmäßig begreifen oder über dessen Sinn nachdenken können. Auch in der Kommunikation spielen Emotionen also eine wesentliche Rolle. Und das ist natürlich besonders spannend. Denn mangelhafte oder schlechte Kommunikation gehört zu einem der Hauptursachen für Belastungen und Stress.

Emotionen vs. Gefühle

António Damásio, US-Neurowissenschaftler von der University of Iowa, unterscheidet Gefühle und Emotionen. Bereits während der Schwangerschaft und folglich auch von Geburt an bewerten wir alle Erlebnisse als positiv oder negativ. Wir speichern diese in unseren Zellen und im Gehirn ab. So legen wir im Laufe unseres Lebens ein sogenanntes Erfahrungsgedächtnis in unserem Körper an. Eine Landkarte dessen, welche emotionalen Zustände wir anstreben und welche wir vermeiden wollen. Das bedeutet, Emotionen werden also als „somatische Marker“ gespeichert. Diese Marker sind körperliche Zustände, die einen entsprechenden Reiz benötigen, um ausgelöst zu werden. Und die dann wiederum ihrerseits chemische Prozesse im Körper anregen, wie die Produktion von Stress- oder Glückshormonen. Dieser Reiz kann durch äußere Situationen, aber auch durch innere Gedanken und unterbewusste Muster verursacht werden. 

Gefühle hingegen sind das bewusste Wahrnehmen dieser emotionalen Körperzustände. So lernen wir bestimmte Körperreaktionen mit Gefühlen zu verknüpfen. Beispielsweise wenn wir in einer Situation am liebsten reflexartig die Flucht ergreifen wollen, ist das das eine körperliche Reaktion. Nehmen wir diese Emotion bewusst wahr und gehen wir bewusst damit um, können wir das dazugehörige Gefühl benennen: beispielsweise Angst. Ein hoher Grad an Emotionale Intelligenz bedeutet nun, diese Vorgänge bewusst zu regulieren. Und zwar so, dass wir Stress reduzieren und Gesundheit sowie Lebenszufriedenheit steigern.

Emotionen sind Botschaften.

Jede Emotion und jedes Gefühl birgt somit eine Botschaft. Klar, bei Freude wissen wir, dass es ein Zeichen dafür ist, dass uns etwas gefällt. Aber auch Trauer, Ärger, Frust, Stress oder Neid sind Botschafter. Sie zeigen uns, dass ein dahinter liegendes Bedürfnis nicht erfüllt ist. Und wenn wir ihre Nachricht verstehen, ist das enorm hilfreich für uns. Denn es hängt eng mit unserer körperlichen und psychischen Gesundheit zusammen. 

Jede Emotion geht also immer mit einer körperlichen Reaktion einher. Dieses Zusammenspiel zwischen unseren Gedanken, Emotionen und unserem Körper ist so faszinierend wie manchmal unergründlich. Leider glauben wir oft, dem ausgeliefert zu sein. Wenn wir uns gruseln, stehen uns die Haare zu Berge. Wenn wir aufgeregt sind, haben wir weiche Knie. Wenn wir unter Druck stehen, verspannen sich Schulter- und Nackenmuskeln. Wenn wir nervös sind, wird uns flau im Magen. Wenn wir im Stress sind, steigt der Blutdruck. Aber auch, wenn wir erleichtert sind, eine Aufgabe erfolgreich gemeistert zu haben, reagiert unser Körper. Unsere Muskeln entspannen sich. Wenn wir gelassen sind, beruhigt sich unser Herzschlag und unsere Gedanken werden klarer. 

Die Kunst ist, sich selbst so zu regulieren, dass wir diese Zusammenhänge zu unserem Wohle beeinflussen können. Und hier spielt das Herz eine wesentliche Rolle. Die Herzkohärenzforschung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Thema. 

Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen!

Wenn wir unsere Fähigkeit der emotionalen Intelligenz entwickeln, können wir diese Effekte selbst steuern und erlangen Freiheit. Wir lernen uns von Ärger, Wut, Selbstzweifel, Schuld und Groll zu befreien.

Praxistipp Emotionale Intelligenz: So lernen Sie Ihre Emotionen und Gefühle besser wahrzunehmen.

Nehmen Sie sich täglich eine Auszeit

Halten Sie mindestens ein Mal am Tag für ein paar Minuten inne! Machen Sie gar nichts. Setzen Sie sich auf eine Parkbank oder wenn Sie sich im Zug oder Flugzeug befinden, lassen Sie Handy, Tablet oder Buch für einige Zeit in Ihrer Tasche und konzentrieren Sie sich auf sich. Nehmen Sie wahr, was im Moment in Ihnen passiert. Gefühle, Gedanken, körperliche Reaktionen. Nehmen Sie erst mal nur wahr. Versuchen Sie, nicht zu bewerten und bei unangenehmen Wahrnehmungen sofort aufzuhören, sondern noch einige Sekunden oder gar Minuten länger durchzuhalten und wertfrei zu beobachten.

Bodyscan – Ihr Körper ist Ihr Partner!

Nehmen Sie sich nach dem Aufwachen oder vor dem Einschlafen oder auch zwischendurch ein paar Minuten Zeit, um Kontakt zu Ihren Körper aufzunehmen. Bestenfalls legen Sie sich hin. Die Übung können Sie im Liegen, Stehen oder Sitzen durchführen. Aber Achtung: Im Liegen schlafen Sie wahrscheinlich schnell ein …  Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Zehen des linken oder rechten Fußes. Beginnen Sie dort und scannen Sie dann in Gedanken Ihren Körper Stück für Stück ab. Gehen Sie von Körperteil zu Körperteil. Beobachten Sie nur. Es geht nicht darum, etwas zu verändern oder zu erreichen. Akzeptieren Sie, was Sie gerade wahrnehmen und werten Sie nicht. Wenn Sie zwischendurch mit Ihren Gedanken abschweifen, konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem und gehen dann wieder zu dem Körperteil zurück, bei dem Sie zuletzt waren.

Die Wirkungen des Bodyscans:

  • Sie werden sensibler für die Signale Ihres Körpers.
  • Sie schärfen Ihr Bewusstsein für Ihre Bedürfnisse.
  • Der Fokus auf Ihren Körper lässt Sie im Augenblick verweilen.
  • Sie verbessern die Beziehung zwischen Gehirn, Geist, Körper und Verhalten.
  • Sie entspannen sich.
  • Sie trainieren Ihre Sinne.


Körperwahrnehmungen vertrauen

Ihr Körper ist ein feines Instrument und meldet sich in irgendeiner Form, wenn etwas nicht stimmig. Üben Sie sich darin, auch kleinste Impulse wahrzunehmen und spüren Sie in sich hinein.


Offenheit und Mut

Wenn Sie eine Emotion oder ein Gefühl wahrnehmen, seien Sie mutig es anzusehen, auch, wenn es Ihnen nicht gefällt. Es ist ja eh da. Ob Sie es zulassen oder nicht – Ihr Unterbewusstsein weiß letztlich alles. Versuchen Sie die Botschaft herauszufinden: Welches Bedürfnis steckt dahinter? Eins, das gerade erfüllt ist? Dann fühlen Sie sich wahrscheinlich gut. Oder eins, das eben gerade nicht erfüllt ist? Dann werden Sie sich wahrscheinlich eher unwohl fühlen.


Übrigens:
Ein Bedürfnis ist grundsätzlich nichts Negatives. Wenn Sie ärgerlich sind und würden sich gern an jemanden rächen, ist das kein Bedürfnis. Auch, wenn man umgangssprachlich gern sagt, dass man das Bedürfnis nach Rache habe. Es ist ein Gefühl, das zeigen kann, dass beispielsweise das Bedürfnis nach Gerechtigkeit, nach Anerkennung oder nach Respekt nicht erfüllt wurde.

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