Dürfen Sie jetzt noch Let’s Dance schauen?

Was ist in Krisen moralisch erlaubt?

von GABRIELA WISCHEROPP

Vor kurzem prangte auf der Boulevardzeitung “tz” der Titel “Darf ich in Zeiten wie diesen „Let’s Dance“ gucken?”. Die Frage war, ob das ausgerechnet jetzt, da Menschen in der Ukraine ums Überleben kämpfen und ihre Heimat verlassen, ethisch vertretbar sei.

Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja. Denn kollektives Leiden hilft niemanden, sondern schwächt uns. Als Individuum wie auch als Gesellschaft. Wirklich nachhaltige Hilfsbereitschaft entsteht nämlich nicht durch Mitleid, sondern durch Mitgefühl. Das ist ein wichtiger Unterschied, der uns handlungsfähiger macht. Und zwar sowohl langfristiger als auch zielführender.

Mitleid vs. Mitgefühl

Wer mit-leidet, identifiziert sich innerlich mit dem anderen. Das hat zur Folge, dass ähnliche emotionale Reaktionen im Körper stattfinden, die auf Dauer belastend sind und die mentale wie körperliche Gesundheit schwächen.

Wer mit-fühlt, ist empathisch und grenzt sich gleichzeitig ab. Das befähigt Sie zu mehr Objektivität und ist gesünder.

Lebenslust statt Lebensfrust

Sie dürfen sogar noch weiter gehen: Statt sich täglich die neuesten Nachrichten oder Sondersendungen mit schrecklichen Bildern anzuschauen, machen Sie etwas, das Ihr Herz und Ihre Seele erfreut. Ihr Geist, Ihre Psyche und Ihr Körper müssen sich entspannen und positive Emotionen erleben, um sich regenerieren zu können. Die Psychologin Barbara Frederickson legte das Verhältnis 3:1 fest. Das heißt, für eine unangenehme Emotion brauchen Sie drei angenehme mit ähnlicher Intensität, damit Sie sich emotional ausgeglichen fühlen. Dann können Sie leichter mit Stress und Krisen umgehen, sind belastbarer und können auch anderen Menschen in schweren Zeiten besser zur Seite stehen. Wie ist das Verhältnis bei Ihnen? Wie oft fühlen Sie sich gut? Wie oft belastet? Und welche Gefühle sind intensiver?

Wenn Belastung, Stress und Sorgen überwiegen, tun Sie ganz bewusst etwas Gutes für sich. Und dazu kann eben auch zählen, die Nachrichten ab- und “Let’s Dance” anzuschalten. Unsere Gedanken können nicht immer nur um Probleme kreisen. Und schlechte Nachrichten sind regelrechtes Gift für uns: Permanent wird unser limbisches Gehirn aktiviert. Dadurch schütten wir Cortisol aus und schwächen unser Immunsystem. Nervosität, Dauerstress, Infektanfälligkeit und vieles mehr können die Folgen sein. Und: Wir werden sogar süchtig nach diesen Reizen. Unser Gehirn braucht dann irgendwann immer mehr davon.

Freude und Spaß zu haben, bedeutet nicht, gleichgültig zu sein. Denn schauen wir die Frage mal genauer an, finden wir darin die Sorge, dass wir als Individuum und als Gesellschaft vielleicht zu egoistisch geworden sein könnten, und das Leid anderer uns nicht mehr interessiert. Und dass wir die falschen Prioritäten setzen.

Doch schauen wir mal in die Geschichte: Viele der Menschen, die auch noch in den schlimmsten Situationen Freude und Spaß empfinden konnten, haben nicht nur überlebt, sondern sind daran sogar noch gewachsen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Psychologe Viktor Frankl, der als einziger seiner Familie das Konzentrationslager überlebte und seine Erfahrungen in dem Buch “… Trotzdem Ja zum Leben zu sagen“ verarbeitete. Es ist eine Frage der Balance und unserer Fähigkeit die Perspektiven wechseln zu können. Wir müssen uns nicht für eine Seite entscheiden: für Leid oder Freude. Beides darf gleichzeitig vorhanden sein.

Sich um sich selbst zu kümmern, bedeutet nicht, dass andere egal sind. Sich um sich selbst zu kümmern, bedeutet, dafür zu sorgen, mental und körperlich gesund zu bleiben. Nur dann können wir auch anderen helfen. Dann können wir menschlich sein. Vielleicht haben wir nicht nur das Recht, sondern sogar die moralische Verpflichtung dazu. Um unsere Gesellschaft nicht in eine tiefe Depression fallen zu lassen, sondern lösungsorientiert und positiv auch die schlimmsten Krisen zu meistern.

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